Deutsche Meisterschaft 2016 in Münster

Bei durchwachsenem Wetter fand dieses Jahr die Deutsche Meisterschaft im Rahmen des European Frisbee Festivals in Münster statt.

Während die Halbfinalläufe am Samstag noch auf der Wiese nahe des Wienburgparks ausgetragen wurden, entschied man, die Finals am Sonntag in die Halle zu verlegen. Das Wetter war einfach zu wechselhaft und der Wind kaum spielbar, was man auch den erfahreneren Teams im Spiel ansehen konnte. In der Halle wurden die Zuschauer dafür mit einem hochklassigen Finale belohnt. Es ist schon beeindruckend, auf welch hohem Level mittlerweile hier in Deutschland gespielt wird. Darüber hinaus ist es spannend zu sehen, wie viele verschiedene Spielstile sich mit der Zeit entwickelt haben.

Glücklicherweise war auch diesmal Chris wieder mit der Kamera vor Ort und so kann man sich die Läufe demnächst sicherlich auf seinem Youtube-Channel noch einmal ansehen.

Bei den Ergebnissen in Co-op gab es keine grossen Überraschungen: Alex, Flo und Christian aus Karlsruhe konnten Ihren “Dauertitel” auch diesmal erfolgreich verteidigen. Unser Berliner Europameister-Team bestehend aus Freddy, Sascha und Jan musste sich mit dem zweiten Platz begnügen und auf dem dritten durften es sich Mehrdad, Stefan und Jens bequem machen.

Christian & Alex (Flo fehlte leider bei der Siegerehrung)

Christian & Alex (Flo fehlte leider bei der Siegerehrung)

In Open Pairs gab es eine kleine Sensation – Der Titel ging zwar auch nach Karlsruhe, diesmal jedoch an Robert und Christian. Die Vorjahressieger Flo und Alex schafften es diesmal “nur” auf den dritten Platz, knapp hinter Freddy und Jakub auf dem zweiten Platz.

Robert & Christian

Robert & Christian

Der Titel in Mixed Pairs ging dieses Jahr an Bianca und Sascha. Nach dem enttäuschenden fünften Platz im letzten Jahr hat es nun endlich geklappt. Die beiden lieferten eine Bühnenreife Show ab und konnten sich mit einem relativ deutlichen Vorsprung vor Johanna und Freddy (2. Platz) und Ilka und Jan (3. Platz) den obersten Platz auf dem Siegertreppchen sichern.
Dokumentiert wurde das Ganze übrigens in epischer Länge von einem Kamerateam des ZDF.

Bianca Strunz & Sascha Höhne

Bianca Strunz & Sascha Höhne

Einen großen Dank möchte ich an dieser Stelle auch an Benno aussprechen, der mit dieser DM sein absolut gelungenes Debut als Tournament Director hingelegt hat. Ohne jemanden, der sich den Hut aufsetzt hätten wir alle nicht so viel Spaß gehabt.

Und hier nun die detaillierten Ergebnisse:

Co-op

Finals
1.Hess, Florian/Lamred, Christian/Leist, Alex        (EX15,6/AI17,5/DIF18,9/TOT52)
2.Finner, Freddy/Schreck, Jan/Höhne, Sascha        (EX12/AI14,2/DIF20,1/TOT46,3)
3.Dünkel, Stefan/Hosseinian, Mehrdad/Friebe, Jens    (EX14,9/AI13,8/DIF17,1/TOT45,8)
4.Edelmann, Benjamin/S., Harald/Wagner, Waldemar    (EX14,6/AI10,3/DIF17/TOT41,9)
5.Dinklage, Fabian/Capellann, Anton/Kostel, Jakub    (EX10,6/AI11,1/DIF15,8/TOT37,5)
6.Künzel, Tobias/Nötzel, Thomas/Strunz, Bianca        (EX11,4/AI11,8/DIF12,7/TOT35,9)

Semi Pool A
1.Hess, Florian/Lamred, Christian/Leist, Alex        (EX11,6/AI14,9/DIF17,9/TOT44,4)
2.Edelmann, Benjamin/S., Harald/Wagner, Waldemar    (EX13,2/AI11,4/DIF16,9/TOT41,5)
3.Dinklage, Fabian/Capellmann, Anton/Kostel, Jakub    (EX9,8/AI10/DIF16,5/TOT36,3)
4.Bellaj, Chris/Pires Rocha, Dylan/Röder, Adrian    (EX7/AI7,4/DIF10,5/TOT24,9)
5.Willin, Paula/Matula, Jakub/Lühring, Simon        (EX6/AI6,5/DIF10,9/TOT23,4)

Semi Pool B
1.Dünkel, Stefan/Hosseinian, Mehrdad/Friebe, Jens    (EX16,1/AI12/DIF17,2/TOT45,3)
2.Finner, Freddy/Schreck, Jan/Höhne, Sascha        (EX7,8/AI11,9/DIF15,4/TOT35,1)
3.Künzel, Toby/Nötzel, Thomas/Strunz, Bianca        (EX9,4/AI9,1/DIF13,1/TOT31,6)
4.Simon, Ilka/Matthiä, Johanna/Kriss, Jonathan        (EX8,3/AI9,8/DIF12,7/TOT30,8)

Open Pairs

Finals
1.Lamred, Christian/Dittrich, Robert        (EX16,3/AI13,9/DIF23,3/TOT53,5)
2.Finner, Freddy/Kostel, Jakub            (EX17,9/AI13,3/DIF20,8/TOT52)
3.Hess, Florian/Leist, Alex            (EX15,7/AI14,8/DIF20,9/TOT51,4)
4.Dünkel, Stefan/Hosseinian, Mehrdad        (EX15,5/AI13,1/DIF20,3/TOT48,9)
5.Nötzel, Thomas/Friebe, Jens            (EX16,5/AI12/DIF17,7/TOT46,2)
6.Strunz, Bianca/Simon, Ilka            (EX17,7/AI11,2/DIF15,3/TOT44,2)
7.S., Harald/Edelmann, Benjamin            (EX14,1/AI11,2/DIF17,7/TOT43)
8.Dinklage, Fabian/Schreck, Jan            (EX15,5/AI9,3/DIF18,1/TOT42,9)

Semi Pool A
1.Lamred, Christian/Dittrich, Robert        (EX16,3/AI13,5/DIF17,2/TOT47)
2.Hess, Florian/Leist, Alex            (EX15,8/AI11,8/DIF15,8/TOT43,4)
3.S., Harald/Edelmann, Benjamin            (EX14,4/AI12/DIF15,6/TOT42)
4.Friebe, Jens/Nötzel, Thomas            (EX12,5/AI11/DIF12,7/TOT36,2)
5.Höhne, Sascha/Capellmann, Anton        (EX11,5/AI10,8/DIF13,5/TOT35,8)
6.Röder, Adrian/Rocha Pires, Dylan        (EX12,3/AI6,8/DIF8,4/TOT27,5)
7.Dura, Hanna/Faber, Simon            (EX7,3/AI5,5/DIF7,4/TOT20,2)

Semi Pool B
1.Finner, Freddy/Kostel, Jakub            (EX18,8/AI15,2/DIF19,4/TOT53,4)
2.Dünkel, Stefan/Hosseinian, Mehrdad        (EX16,4/AI14,6/DIF18,5/TOT49,5)
3.Dinklage, Fabian/Schreck, Jan            (EX15,5/AI12,1/DIF17,2/TOT44,8)
4.Strunz, Bianca/Simon, Ilka            (EX15,9/AI13,1/DIF15,1/TOT44,1)
5.Künzel, Toby/Wagner, Demar            (EX13/AI10,5/DIF15,1/TOT38,6)
6.Schellworth, Phillip/Bellaj, Chris        (EX3,8/AI4,1/DIF6,8/TOT14,7)

Mixed Pairs

Finals
1.Strunz, Bianca/Höhne, Sascha            (EX16,5/AI16,6/DIF16,9/TOT50)
2.Matthiä, Johanna/Freddy, Finner        (EX14,2/AI12,1/DIF17,2/TOT43,5)
3.Simon, Ilka/Schreck, Jan            (EX15/AI11/DIF15/TOT41)
4.S., Harald/S., Jessica            (EX12,2/AI11,3/DIF17/TOT40,5)
5.Willin, Paula/Lamred, Christian        (EX14/AI13,5/DIF11,9/TOT39,4)
6.Dura, Hanna/Faber, Simon            (EX14,2/AI4,6/DIF8,4/TOT27,2)

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Die Deutschen Meisterschaften im Frisbee Freestyle 2012 in Neubrandenburg

„Ein rundum gelungenes Sportfest“

DM2012GruppePhoto by adamngoodpicture

ein Rückblick aus der Sicht des Tournament-Directors Thomas Nötzel

Eine Woche nach dem Ende der Deutschen Meisterschaften im Frisbee Freestyle 2012 in Neubrandenburg fühle ich mich nun in der Lage das Erlebte in Worte zu fassen. Hinter mir liegt ein ereignis- und erfolgreiches Sportfest in der „Stadt der Vier Tore“. Continue reading

Ankündigung: Deutsche Meisterschaften 2012

Neubrandenburg
01.05.2012
logo-DM_2012_Kopiehttp://german-king.de
Es ist endlich soweit. Die Seite zur Deutschen Meisterschaft im Frisbee Freestyle 2012 ist online. Vom 8. bis 10.Juniwerden in Neubrandenburg Freestyler aus ganz Deutschland erwartet. Drei Tage lang werden euch das Turnier aber primär Spass und Events geboten. Für die Unterkunft wird ein komplettes Feriendorf mitten im Wald zur Verfügung gestellt und der Veranstaltungsort ist die Festwiese im Kulturpark.
Das dürft und könnt ihr nicht verpassen. Meldet euch an, ob Freestyler oder nicht. Es ist Sommeranfang und ein See in der Nähe läd zum Baden ein.
Die Berlin-Jammers freuen sich riesig und stehen euch bei Fragen gerne zur Verfügung.
Die offizielle Turnierseite findet Ihr HIER

Deutsche Meisterschaft 2010

Berlin

30 Grad im Schatten, ein wolkenloser, azurblauer Himmel, eine leichte Brise. Bunte Scheiben fliegen und tanzen wie Schmetterlinge durch die warme Sommerluft und ein Duft von Sonnencreme liegt in der Nase. Die Sonne brennt und die Leute sitzen unter den großen Bäumen, die vor dem  satten Grün des Rasens stehen. Sie nicken ganz leicht zu dem leichten Vibrieren der Lautsprecher.

Nein, das ist kein Reisebericht – du bist in Berlin !!! In der Mutterstadt der Berlin Jammers. 2010 war es endlich soweit. Mit Nachdruck holten der Deutsche Meister 2009 im Pairs, Anton Capellmann und Jan Schreck, nach 5 langen Jahren wieder eine Deutsche Meisterschaft im Freestyle Disc Sport nach Berlin. Aber wie sieht das die deutsche Freestyle Disc Elite?

In alle Himmelsrichtungen und Herrenländer wurde ein Brief gesandt, mit den königlichen Insignien versehen und der Aufforderung sich dem Duell zu stellen. Würden sie nach Berlin kommen um die Clown Army  zu schlagen? Werden sie sich der königlichen Herausforderung stellen?

Die Antwort kam prompt und sah vielversprechend aus. Diese Chance wollte sich niemand entgehen lassen. Edelmänner schickten ihre besten Jammer aus den deutschen Hochburgen, um die Freestyle Kunst zu präsentieren und um ihre besten und spektakulärsten Würfe, Catches und Choreografien vorzutragen. Freiburg, Heidelberg, Köln, Dortmund, Nürnberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Neubrandenburg und München folgten dem Aufruf, den neuen Deutschen Meister zu küren. Jedoch sprach es sich herum, das die Berliner in voller Besetzung ins Turnier starten würden und den Pokal nicht so ohne weiteres und vor allem nicht kampflos herausrücken wollten. Nervosität machte sich breit und es wurde überlegt wie man die Berliner wiederum einschüchtern oder gar wie man sie besiegen könnte. So wurden Jammer aus den umliegenden Königreichen der Schweiz, Italien, England, Holland, Dänemark, der Tschechischen und der Slowakischen Republik entsandt um ihnen eine Lektion zu erteilen.

Werden sie es schaffen den Berlinern den Pokal zu entreißen?

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin
Photo by Philipp Maubach

Werden sie mit Lorbeerkranz triumphierend wieder nach Hause fahren und unter dem Jubel der Menschenmassen den Triumphbogen durchschreiten? Oder werden sie frühzeitig wieder nach Hause geschickt, und kehren Heim bei Nacht und Nebel durch die Hintertür der Schmach?

Es war warm in Berlin. 26 Grad Lufttemperatur. Angenehm für die schon am Mittwoch angekommenen ersten Jammer die sich einspielten, jammten, relaxten oder einfach nur sich die Stadt ansahen und erkundeten. Berlin ist immer eine Reise wert, nicht nur wegen dem Freestyle Sport.

Donnerstag waren es schon 28 Grad. Man fühlte es, da lag was in der Luft. Die Berlin Jammers luden zum offiziellen Eröffnungsjam auf den Major Court am Reichstagsgebäude. Diesem folgten schon mehrere Jammer und der Fun- und Spielfaktor wuchs beständig an. Alle konnten es kaum erwarten endlich loszulegen.

Freitag, 25.06.2010

Offizieller Turnierbeginn und erster Turniertag. 30 Grad. Es war heiß in Berlin. Treffpunkt war die Palazzowiese im Herzen der Stadt. Touristen flanierten an historischen Gebäuden vorbei und wunderten sich über eine kleine Gruppe von Menschen die wie wild in der vormittäglichen Hitze über die Wiese flitzen und bunte Scheiben warfen. Um 15 Uhr war es dann endlich soweit und alle durften dem lang und heiß begehrten Turnierbeginn entgegensehnen. Der heilige Rasen, der zu den Freestyle Disc Weltmeisterschaften schon im vorigen Jahr hervorragende Dienste bot, durfte betreten werden und das erste Players Meeting stand auf dem Tagesprogramm. Die letzten Jammer fanden sich zu ihren Coop, Pairs und Mixed Pairs Teams zusammen und nun stand dem offiziellen Turnierbeginn nichts mehr im Wege. Offiziell 52 registrierte Jammer und insgesamt 70 Scheibenfreunde machten dieses Spektakel perfekt. Zum ersten Mal in der Turniergeschichte der Deutschen Meisterschaft war es zumal möglich, Mixed Pairs zu spielen. Das Wetter war perfekt, lediglich ein Hauch von Wind war zu verspüren. Man nahm die Nervosität der Spieler wahr, die ersten Schweißperlen rollten, das erste Ploppen und Surren der Scheiben war zu hören. Endlich konnte es losgehen.

Open Pairs – Viertelfinale

Turnierstart war das Viertelfinale im Open Pairs, vier Pools standen auf dem Programm. Judith Haas und Heiko Vogt gewannen den Pool A nur knapp vor Markus Hein und Kolja Hannemann und vor Sascha Scherzinger und Carsten Heim. Man war sich sicher, diese Namen wird man noch öfter in diesem Turnier hören. Niki Thoma und Markus Götz aka „The Bavarian Power“ qualifizierten sich ebenfalls für die nächste Runde. Zwischen dem ersten und vierten Platz lagen lediglich 0,8 Punkte. Was für ein Pool.

Den Zweiten, Pool B, entschieden die Engländer Joseph Mc Crave und John Coxhead für sich. Anschließend qualifizierten sich Waldemar Wagner und Harald Skomroch, Bo Bul und Marc Pestotnick und zuletzt Rainer Dörr und Dominique Weißenberger für das Halbfinale. Der Abstand der Teams war hier viel größer, jedoch merkte man bei einigen Teams, dass sie sich noch schonten und nicht auf volles Risiko bzw. volle Power spielten. Das Potenzial war erkennbar und bekannt aber die „Handbremse“ war noch angezogen. Noch !!

Auftritt der Herausforderer Nummer eins. Den Pool C gewannen Florian Hess und Christian Lamred souverän und routiniert wie man sie kennt, Philipp Lenarz und Mehrdad Hosseinian, ein gut harmonierendes Team,  sicherten sich ebenfalls das Ticket für das Halbfinale und „La Familia Caruso“, Silvia und Fabio, und Nadine Klos und Alex Leist waren zwar mit Abstand hinter diesen beiden Teams jedoch sah man hier, dass der weibliche Charme und die Eleganz im Einklang mit technischem Know How und Schönheit der Bewegungen ebenfalls nicht zu verachten sind.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by: Philipp Maubach

Im Pool D durften endlich die aktuellen deutschen Meister zeigen was in ihnen steckt. Ohne Routine, mit einem leicht und locker wirkenden Run sicherten Anton Capellmann und Jan Schreck sich den ersten Platz in diesem Pool. Jedoch waren die Konkurrenten Jan Sörensen und Sascha Höhne wachsam und sicherten sich dicht hinter ihnen den zweiten Platz. Jörg Wunder und Jens Friebe, ein ebenfalls sehr gut anzuschauendes Team, spielten überzeugend und sicherten sich ebenfalls wie Gregory Lo-A-Sjoe und Greg Marter das Los für die nächste Runde.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, BerlinPhoto by: Philipp Maubach

Nach diesem Auftakt des Turnieres war jedem klar, dass dieses Wochenende brennend heiß werden würde. Alle waren top fit und das Level der Spieler atemberaubend. Zum Abschluss des Tages wurde am Abend zur Playersparty im St. Georg in Kreuzberg geladen. Bei Freibier wurden die Platzierungen  bekanntgegeben und wer im Halbfinale spielen durfte. Der Tag neigte sich dem Ende, die Nacht brach an und alle waren sich sicher….. was für ein Tag – was für ein Feeling.

Samstag, 26.06.2010

32 Grad im Schatten. War es überhaupt schon einmal so heiß bei einer Deutschen Meisterschaft? Den Turnierteilnehmern war das jedoch egal. Gut ausgeschlafen und mit voller Konzentration hinein in den bevorstehenden langen Tag. Die Wasserflaschen wurden aufgefüllt, die Sonnenschirme aufgestellt und die Kameras in Position gebracht. Jeder wusste, wenn nicht heute, wann dann. Die Nägel wurden geklebt und getapt, ein letztes Mal wurde die Scheibe mit Silikonspray präpariert und die Sonnenbrillen wurden tief ins Gesicht gezogen. Endlich begann die Königsdisziplin im Freestyle Disc Sport, das Open Coop Halbfinale.

Open Coop Halbfinale

Pool A: harte Konkurrenz bei sieben Teams, von denen nur drei ins Finale kommen. Dies galt jedoch nicht für Florian Hess, Christian Lamred und Carsten Heim, die bei den Weltmeisterschaften im Freestyle Disc Sport schon im letzten Jahr nicht nur das Finale erreichten, sondern da sogar mit einem sensationellen zweiten Platz  abschnitten. Elegant, fast schon konkurrenzlos zogen sie in das Finale ein. Rainer Dörr, Dominique Weißenberger und  Markus Hein sicherten sich auf dem zweiten Platz ebenfalls das Ticket ins Finale. Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß, so sahen sie aus. Jedoch begannen sie bemerkenswert, mit  drei Scheiben zauberten sie sich in die Herzen der Judges und Mitspieler. Elegante und synchrone Bewegungen, atemberaubende Catches und ein gutes Timeing zeichnete diesen Run aus. Das wollen die Zuschauer sehen. In Erinnerung wird jedoch auch der Run von Jens Friebe, Mehrdad Hosseinian und Sascha Höhne bleiben. Das Turniermotto des Astro- bzw. Kosmonauten inspirierte die Jungs zu einer Choreographie der besonderen Art. Sie spielten die Mondlandung nach, wobei die Berlin Fahne gehisst wurde und zwei von ihnen mit einem Außerirdischen jammten. Was für ein Spass, nicht nur für die Zuschauer. Jedoch hatten sie ein wenig Pech mit ihrer Routine. Man konnte auf das Finale gespannt sein, in mehrerer Hinsicht.

Pool B: das „Wulle-Light Team“ mit Anton Capellmann, Jan Schreck und Bo Bul, spielte sich ebenfalls souverän in das Finale. Da es heiß war, spielten sie alle mit Sonnenhütten auf dem Kopf und selbst als dieser nach einem spektakulären Gitis Catch verloren ging, war er in Sekundenschnelle wieder auf ihm. Spaß ist mit das wichtigste in einem Turnier, für die Spieler sowie für die Zuschauer. Sascha Scherzinger, Harald Skomroch und Waldemar Wagner folgten ihnen knapp auf dem zweiten Platz. Sascha aka Scherz Stinger war gut eingespielt mit dem Sieger des ersten deutschen Beach Turniers (Graal Müritz), Waldi DeMar Wagner,  und dem kölschen Jung Harry. Beeindruckend waren ihr blindes Verständnis, ihr Zusammenspiel und der sichtliche Spaß den die Jungs miteinander hatten. Zu guter Letzt qualifizierten sich Jochen Schleicher, Freddy Finner und Alex Kleist für das Finale. Eine sehr überzeugende Show zeichnete diesen Run aus, in der unter anderem Kapoera Bewegungen mit eingebaut wurden, sowie die Pyramide und andere sehr athletische Vorführungen.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, BerlinPhoto by: Philipp Maubach

Nach diesen zwei energiegeladenen Pools war es Zeit für eine Abkühlung. Alle sehnten sich nach kühlen Nass, welches den Kreislauf, wenigstens für kurze Zeit, zum abkühlen bringen sollte. Aber Moment, das Mixed Pairs Halbfinale stand erstmals in der Geschichte der Deutschen Meisterschaften auf dem Programm. Die Frauen betraten die Bühne der Aufmerksamkeit und alle Teilnehmer blickten gespannt auf die 10 Paare. Alle waren sich sicher, dass plötzlich die Temperatur um mindestens 10 Grad anstieg. Jeder der nicht spielen musste, setzte sich in den Schatten und blickte gebannt auf das Spielfeld.

Mixed Pairs Halbfinale

Pool A: Judith Haas und Florian Hess dominierten klar diesen Pool und zogen problemlos ins Finale. Spinning Catches, eine perfekt aufeinander abgestimmte Choreographie und melodische Showelemente bestimmten diesen Run. Titelanwärter? Auf jeden Fall. Konkurrenzlos? Auf gar keinen Fall. Ilka Simon und Waldemar Wagner, die blonden Engel vom Rhein, begrüßten sich mit einem Scarecrow Clap und spielten einen harmonischen Run. Scarecrow-Brush von Ilka, Flamingo Catch von Waldi oder ein gemeinsamer Bodyroll, für die Beiden kein Problem. Auch bei Lina Bodecker und Robert Dittrich stand das harmonische Miteinander im Vordergrund. Sanfte Bewegungen und ein konzentrierte Kooperation der beiden sicherten ihnen den Einzug ins Finale. Elke Herwick, ein Berliner Nachwuchstalent, und Lars Neumann kamen leider nicht ins Finale jedoch muss erwähnt werden, dass beide zum ersten Mal an einer Deutschen Meisterschaft teilnahmen. Das erste große Turnier ist das Schwierigste. Gut gemacht!

Pool B: La grande familia Caruso. Das italienische Geschwisterpaar Silvia und Fabio Caruso spielten sich souverän in das Finale. Silvia verzaubert jeden mit ihrem lächeln. Und wem das nicht reicht, der bekommt eine Lektion in technischem Know How von ihr vorgesetzt. Fabio darf da nur mitspielen. Der Wahlberliner weiß aber wie man seine Schwester ins rechte Licht setzt und so ist es immer wieder wunderbar den Beiden zuzuschauen. Jedoch weiß auch Bianca „Bibirella“ Strunz und Anton Capellmann wie man die Zuschauer auf ihre Seite bekommt. Erfolgreich betreiben Beide den Freestylesport schon seit einigen Jahren und zusammen absolvierten sie schon mehrere Turniere. Auch Anton weiß genau den Vorteil von Mixed Pairs zu nutzen und setzte seine Partnerin mehrmals erfolgreich in Szene. Auch sie qualifizierten sich für das Finale. Für die Überraschung in diesem Pool sorgten aberJohanna Matthiä und Harald Skomroch. Zugegeben, mit Harry zu spielen ist nie schlecht jedoch legte die Newcomerin des Jahres  eine selbstbewusste Show hin, vor der sich die Judges und die staunenden Mitspieler verneigten. Der Atem stockte, da sie alle durch technische Raffinesse und weiblichen Charme betörte. Auch Harry war sichtlich hingerissen… und nicht nur er. Verdient zogen Beide ins Finale. Was für ein Feuerwerk.

Ist denn das überhaupt noch zu toppen? War das real? Es war kurzweilig so heiß, dass die Linsen der Kameras beschlagen waren. Da half alles putzen nicht mehr. Jeder rieb sich die Augen und kniff seinem Nachbarn in den Arm. Für einen Moment dachte jeder, dass er träumte. Eine Abkühlung wäre dringend nötig und wünschenswert gewesen, hätte aber nichts mehr gebracht. Anton Capellmann, in seiner Funktion als Turnierdirektor, verordnete eine Zwangspause für alle Jammer, damit sich die Gemüter abkühlen konnten. Was für ein Tag und er war noch nicht zu Ende. Nach einer halben Stunde waren alle wieder bei der Sache und voller Konzentration. Der Puls war wieder ruhig, das Zittern der Hände war nicht sichtbar jedoch bei allen zu spüren. Open Pairs war im Begriff zu starten. Hoffentlich hatte jemand den Notarzt gerufen, denn das Halbfinale stand an und die Mädels würden reihenweise umfallen. Nun hieß es Vollgas. Volles Risiko. Es geht um den Einzug in das Finale.
Open Pairs Halbfinale
Pool A: Diesen Pool gewannen Philipp „Sleepy“ Lenarz und Mehrdad „Mördi“ Hosseinian. Mördi initiierte ein Jam der es in sich hatte. Sleepy überzeugte mit seinen double spinning Combos und Catches wogegen Mördi mit seinen Against Moves und seinen eleganten Bewegungen selbst Bambi in Verlegenheit gebracht hätte. Die Berlin Jammers waren sich sicher, diesen Mann brauchen wir. Nach seinem Run wurde Mördi an den runden Tisch gebeten und wurde in Manier des FC Bayern München direkt vor Ort verpflichtet. Er wechselt nun zum Saisonende ablösefrei von Heidelberg nach Berlin und wird den Kader der Berlin Jammers verstärken. Und wenn die Berlin Jammers schon einmal auf Einkauftour waren machten sie es richtig. Mördi gab es nur im Doppelpack und so wurde auch der zweite Mann, Stefan Dünckel, von den „Plastik Spastik“ aus Heidelberg verpflichtet.
Jörg „Woo“ Wunder und Jens Friebe qualifizierten sich als zweites Team für das Finale. Man munkelt schon lange, dass Woo ein Geheimexperiment von Wham-O ist und in diesem Run bewies er es mal wieder. In Manier von Matrix machte Woo Moves, die sich die Judges nach dem Run nochmal in Zeitlupe ansehen mussten. Eine energiegeladene und sehr kontrollierte Routine. Aber auch Jens ließ keinen Zweifel an seinem Können. Immer wieder sehr beeindruckend ist sein sehr athletisch aussehender Gitis Catch, bei dem Jens es versteht sich über seine Körperachse geschickt hinaus zu drehen. Mit Rationalität hat das nichts mehr zu tun. Wahnsinn. Das ist auch ein Grund warum Jens in missionarischer Mission schon vor vielen Jahren in die Schweiz gegangen ist. Spread the Jam.
Ganz knapp, mit nur 0,3 Punkten, waren ihnen Sascha Höhne und Jan Sörensen auf den Fersen. Sie starteten mit einer kleinen Fußballshow, änderten kurzerhand das Spielgerät und verblüfften ebenfalls die Zuschauer mit spektakulären Moves und Combos. Beeindruckend dabei war von Sascha ein Bad Attitude Delay, wobei er sich einmal um die eigene Achse drehte und direkt im Anschluss mit einem Flamingitis Catch abschloss, Jan twirlte wie ein Wirbelwind in dieser Zeit um ihn herum. Was für eine Show.
Wiederum nur 0,5 Punkte waren Carsten Heim und Sascha Scherzinger hinter ihnen und qualifizierten sich als letztes Team in diesem Pool für das Finale. Sehr entspannt und chillig sah das aus. War das Übermut? Oder schonten sie nur ihre Kräfte? Ganz bestimmt nicht. Sascha und Carsten passen vom Stil perfekt zueinander. Zum Schluss versuchte Sascha sogar seinen Scherz-Stinger Move, wobei die Scheibe hinterm Rücken, blind links,  mit dem Fuß getroffen wird. Es sieht ein wenig aus wie bei einem Skorpion. Was für ein Kerl, was für ein Bewegungstalent. Der hätte es mal verdient deutscher Meister zu werden. Aber auch Carsten überzeugt in alter Manier. Schnell wie ein Wiesel drehte er sich, seine Catches aber auch seine spielerische Sicherheit ergaben ein perfektes Gesamtbild der Beiden.
Das war eine ganz schön enge Angelegenheit. Ganz knapp lagen alle beieinander. Aber Moment Mal. War nicht der amtierende Deutsche Meister mit in diesem Pool? Und sie haben sich nicht für das Finale qualifiziert? Die nächste große Überraschung des Turniers war perfekt. War das überhaupt möglich? Was war denn da los. Alle blickten ratlos und auch ein bisschen traurig zu den Beiden, die es gefasst aufnahmen es jedoch noch nicht glauben konnten. Aber so kann es gehen. Manche haben Glück, manche haben Mut und manche haben einfach nur Pech. Aber man muss auch erwähnen, dass das Level der Spieler von Jahr zu Jahr immer besser wird und der Abstand zueinander verschwindend gering, was dieser erste Pool eindeutig bewies.
Pool B: Florian Hess und Christian Lamred wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewannen mit Abstand diesen zweiten Pool. Dabei ließen sie keinen Zweifel aufkommen, warum sie nach Berlin gekommen sind, sie wollen den Titel des Deutschen Meisters. Die aus Karlsruhe stammenden Jammer spielen schon seit mehreren Jahren miteinander und sind ein perfekt eingespieltes Team. Wenn sie die Arena des Freestyle Sports betreten wird es ruhig um sie herum und alle wissen, dass sie nun eine Show der Superlative erwartet. Wenn die Beiden Spielen ist es so, als würde man im Kino mit seinem Actionheld mit fiebern.  Mit Leichtigkeit meistern sie jede Situation. Gegenwind, blendendes Gegenlicht oder das aussetzen der Musik irritiert viele Jammer, jedoch nicht diese Beiden. Selbst mit verbundenen Augen würden sie noch ein Spektakel abliefern.
Aber auch Judith Haas und Heiko Vogt, ebenfalls aus Karlsruhe stammend, sind ein sehr gut aufeinander abgestimmtes Team und verfügen über jahrelange Turniererfahrung. Immer wieder beeindruckend ist ihre dropless Routine wofür Beide mittlerweile berühmt berüchtigt geworden sind. Standing Gitis oder Scarecrow Catch von Judith oder ein Spinning Catch von Heiko, mit Leichtigkeit und viel Sicherheit bieten auch diese Beiden eine Show in Karlsruher Manier. Da merkt man sehr schnell wer in Deutschland die meisten Shows spielt und von wem man noch etwas lernen kann.
Waldemar Wagner und Harry Skomroch, aus der Kölner Hochburg des Freestyle Sports, hatten zwar schwarz-weiße Spielkleidung an, spielten jedoch in einer bunten, farbigen Vielfalt, dass es immer wieder ein Genuss ist, bei ihnen mit zu fiebern. Harry ist ein Kämpfer der aber auch mit Eleganz überzeugt. Ein perfektes Beispiel dafür war ein Turnier letztes Jahr in Italien wo er mit einem eingegipsten Arm sich bis in die Finalrunde kämpfte. Auch hier in Berlin sah man wieder seine Kreativität im Freestyle Sport. Geht nicht – Gibt’s nicht, das ist Harrys Motto beim Spielen und es ist immer wieder ein Genuss mit ihm mit zu fiebern. Aber auch Waldi unterstreicht in letzter Zeit des Öfteren das er zu den Top Spielern in Deutschland gehört. Dies bewies er unter anderem durch seinen ersten Turniersieg in Graal Müritz aber auch hier in Berlin. Nicht nur schwierige Barrel Catches und das Spielen beider Spinnrichtungen zeichnen diesen sehr sympathischen Jammer aus. Da freut man sich schon auf die nächsten Turniere und Jams mit ihm.
Als letztes Team qualifizierten sich die Berliner Markus „MakkiLove“ Hein und Kolja Hannemann. Muss man zu den Beiden eigentlich noch was sagen? Makki ist und bleibt Mr. Style. Nur wenige Spieler auf der Welt verstehen es eine Botschaft bei Freestyle Disc Sport zu verbreiten, Makki ist einer davon. Auch hier besagen hartnäckige Gerüchte, dass er der Namensgeber des amerikanischen Turniers Super Hein ist. Makki versprüht Liebe, Ausgeglichenheit und Sympathie, zu seinem Sport und seinen Mitspielern. Er ist der Inbegriff des Freestyle Sports, nicht nur in Hinblick seines spielerischen Könnens. Seine überragende Sicherheit beim Flat Set Spielen aber auch seine unterhaltende Leichtigkeit der Bewegungen sind beeindruckend, maßgebend und Vorbild vieler Spieler. Viele Jammer suchen ihre Idole jenseits des Ozeans und dabei weilt eine unter ihnen. Jedoch ist Makki auch nur eine Person und ein Team besteht immer aus zwei. Ohne Kolja ist Makki nicht schlecht, zugegeben, aber mit ihm sind sie (fast) unschlagbar. Siegen steht bei ihnen nicht primär im Vordergrund, jedoch zeigten sie ihre Ambitionen auf den Titel. Jeder der bei der Deutschen Meisterschaft mitmacht, will hier auch gewinnen. Kolja, der dieses Jahr sein erstes Turnier gewonnen hat (mit Waldi in Graal Müritz), gehört ebenfalls zu der Kategorie Halbgötter des deutschen Freestyle Disc Sports. Wenn man glaubt, etwas ist unmöglich, kommt Kolja und überzeugt dich, dass es dir nur so erscheint. Eine unversiegbare Quelle der Kreativität und das WOW-Gefühl beschreiben diesen Mann am Besten. Niemand anderes versteht es so gut wie er impulsiv und elegant zu spielen, schnell zu reagieren und zu agieren. Wenn man mit ihm spielt gibt er dir Sicherheit und ein Lächeln seinerseits aber auch der Zuspruch es weiter zu versuchen und zu versuchen und zu versuchen machen seine Ambitionen eines wahren und bescheidenen Freestyle Masters war. In seiner Gegenwart sind wir alle Padawane.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by Philipp Maubach
WOW – was für ein Tag, was für Sensationen, was für ein Getümmel, was für eine fast schon anmutende Spiritualität wurde an diesem Tag geboten. Kein Turniertag in der Halle wie man es zur Deutschen Meisterschaft schon fast gewohnt war. Sonnenbrand. Ausgetrocknete Kehlen. Auf den Knien kriechende Jammer. Dürstend nach dem Finale, nach Schatten, nach isotonischen Getränken damit der Geist und der Körper wieder ein Level des Wohlbehagens und der Wonne erreichen. Aber zum Glück gab es Wulle.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, BerlinPhoto by Philipp Maubach
Sportler trinken nicht, und wenn nur nach dem Sport… und dann auch nur in Maßen. Ist das auch bei uns so? Warum sollte es denn bei uns anders sein. Schließlich sind alle nur aus einem Grund nach Berlin gekommen. Wegen dem Tunier? Meinetwegen. Wegen der Hauptstadt oder dem Großstadtfeeling? Nicht unbedingt. Wegen der Community? Schon eher. Wegen der Berlin Jammers? Nicht ausgeschlossen aber ihr wisst ja, Ihr könnt immer kommen und seid willkommen. Wegen der Community in Zusammenhang mit dem Scheibenspaß, der endlosen Jams, dem Gefühl eines Klassentreffen gleich nur mit dem Unterschied das alle einen Fetisch auf Plastik haben, den mit anderen Verrückten zu teilen und dabei Scheibe zu spielen? Ist das eine rhetorische Frage? Sie bleibt einfach mal so im Raum stehen und jeder findet seine eigene Antwort darauf.
Am Abend völlig ausgezehrt von Eindrücken, Gefühlen und Impressionen konnte niemand so richtig einschlafen. Wenn diese Halbfinale schon so spannend waren, was würde man am Finaltag erwarten. Weitere Überraschungen und Highlights? Man wälzte sich im Bett umher, das Bettlacken als Zudecke umfunktioniert, bei nächtlichen 23 Grad. Der Vollmond spazierte über die Dächer der Stadt und erinnerte dich mit seiner Form daran, weshalb du hier nach Berlin gekommen bist, wegen deinem Sport, deiner Leidenschaft, deinem runden Vergnügen.

Sonntag, 27.06.2010

34 Grad. Ein Scherz? Bestimmt nicht! Wenn die Berliner ein Turnier ausrichten, dann richtig. Der Wettergott ist doch Berliner – wir haben es bewiesen. Um 10 Uhr war Treffpunkt und schon eine Stunde später ging es los. Aber warum auf einmal dieser straff organisierte Zeitplan? Ganz einfach – Deutschland gegen England stand ebenfalls an diesem Sonntag auf dem Programm. Das Spiel der Spiele im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Das wollte niemand verpassen, selbst nicht der hartgesottenste Freestyle Fan und Spieler nicht. Eventuell sollte hier auch nochmal darauf hingewiesen werden, dass Deutschland dieses Spiel 4:1 gewann! WOW – was für ein Spiel. Aber das nur so am Rande. Endlich war es soweit. Das Finale der Finale zuerst, Open Coop, die geballte Power des Freestyle Sports. Gewonnen haben schon alle die im Finale teilnehmen aber nun kommt es darauf an, wer die besten Nerven hat und wer den Überblick behält. Man roch förmlich das Adrenalin.

Open Coop Finale

Florian Hess, Christian Lamred und Carsten Heim, die geballte baden-würtenbergische Power aus Karlsruhe, gewannen diesmal knapp jedoch verdient dieses erste Finale. Was für eine Show, was für ein Feuerwerk. Bei den Dreien ist es so, als ob man ein Konsolenspiel spielt. Man bewegt seinen Spieler, drückt die unterschiedlichen Knöpfe für einen Special Move und zum Schluss, wenn der blaue Ausdauerbalken noch reicht, drückt man ganz schnell zwei oder drei Knöpfe gleichzeitig und ein Finishcatch beendet die Combo, welche mit dem Raunen und Staunen der Zuschauer belohnt wird. Das Dreamteam macht seinem Namen alle Ehre. Ihr perfektes und überragendes Zusammenspiel, sei es ein Radschlag synchron zu dritt oder ein Pass von Flo, bei dem Christian Carsten in die Luft wirft und die Scheibe wieder annimmt und Carsten dabei verschmitzt in die Hände klatscht, die Jungs faszinieren und polarisieren. Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es verdient und steht zu recht ganz oben auf dem Olymp der deutschen Freestylerszene.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by Philipp Maubach
Jens Friebe, Mehrdad Hosseinian und Sascha Höhne erfüllten sich ihren ganz persönlichen Traum. Zum ersten Mal spielten sie in dieser Dreierkombination und kamen dabei direkt auf das Treppchen einer Deutschen Meisterschaft. Die Jungs hatten bei über 30 Grad selbstgebastelte Helme auf, die zum Thema ihrer Show passten. Beginnend bei ihrer Show übergab die Scheibenfee Bibi „Bibirella“ Strunz in sexy Manier das Wurfgerät. Nun konnte ja nichts mehr schiefgehen und so war es dann auch. In ihrem Run hatten sie die wenigsten Drops von allen Teams. Das war nicht nur für sie überraschend. Mit einer sehr sicher gespielten Routine verzauberten sie die Zuschauer und spielten sich in einen wahren Rausch, der zum Schluss mit dem zweiten Platz belohnt wurde. Mördi verblüfte mit einem upside down Bad Attitude Catch oder einem upside down behind the beg into upside down Body Roll und freute sich darüber sichtlich gleichermaßen wie die Zuschauer. Sascha zeigte seine Lieblingscombos mit einem Flamingo Pull, einen spinning Radschlag als Pass gespielt oder den Double Leg over, bei dem die Form schon sehenswert ist. Aber auch bei Jens klappte alles wie es sollte. Ob Flamingo Catch, mit oder ohne Spinning, oder Gitis Catch, auch mit oder ohne Spinning, Jens fängt alles was nicht bei drei aus seiner armreichweite verschwunden ist. Eine richtige Catchsau die Sicherheit und Flow bringt. „Can`t touch this“ Danke Jungs. Es war wunderbar.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by Philipp Maubach
Sascha Scherzinger, Harald Skomroch und Waldemar Wagner machten das Finale perfekt und sicherten sich verdient den dritten Platz auf dem Podium. Wir Berliner sind normalerweise der Inbegriff von Coolness. Aber was die Jungs da abgeliefert haben da treten wir diesen Titel, dieses Jahr, sehr gerne ab und ziehen unseren Hut. Sascha und Harry betraten alleine die Showbühne. Gegelte Haare, Sonnenbrillen, Dreitagebart – die Jungs waren nicht wiederzuerkennen. Nach kurzem Intro der Beiden und einem Einmarsch wie im Genesis Video, I can`t dance, betrat auch Waldi, gestylt, die Bühne, die die Welt bedeuten und auf ging es. 5 Minuten volle Power. Against von Harry, Flamingo Pull von Waldi und ein sauberer Phlaud Catch von Sascha, sie lassen keinen Zweifel an Teamwork und Technik. Der Stimmungspegel der Zuschauer erreicht schnell fröhlich und ausgelassen. Die Jungs hatten einen Plan, Spaß verbreiten und Spaß haben und der ging voll auf. Gute Arbeit, es war ein Erlebnis euch zu zuschauen.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by Philipp Maubach
Na das war doch schon mal was. Man vernahm nun schon das eine oder andere Mal den Sound des Ploppen von Wulle Flaschen. In der Mittagshitze wurde auf den Erfolg schon einmal kurz angestoßen.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, BerlinPhoto by Philipp Maubach
Aber auch nur kurz, denn das Finale im Mixed Pairs kam direkt im Anschluss. Was man nicht alles für Fußball gucken macht. Auch diesmal vernahm man einen Anstieg der Temperatur. Der Schweiß verdampfte schon fast beim austreten auf der Haut. Sonnencreme mit dem Faktor 50 wurde wieder aufgetragen und auf ging es. Wer würde der erste Deutsche Meister im Mixed Pairs? Eine Historische Entscheidung stand an und alle waren gespannt wer es werden würde. Der süße Duft von Pheromonen und Parfüm lag in der Luft, man sah charmantes Lächeln und wehende Haare – die Ladys waren da. Aber auch ein unbekannter, süßlicher Duft wie beim Grillen war in der Luft aber das störte niemanden. Noch nicht.

Mixed Pairs Finale

Hand in Hand betraten sie die Tunierwiese. Noch ein paar kleine Stretchübungen von Flo, mit den Fingern wurde ein wenig Gras aus dem Boden gerupft und in den Wind geworfen. Perfekte Windverhältnisse und von Nervosität keine Spur. Judith Haas und Florian Hess sind die ersten deutschen Mixed Pairs Gewinner aller Zeiten und ihr Run hatte es in sich. Sehr kontrolliert, viele Spinnings und ausdrucksstarke Bewegungen zeichneten dieses Schauspiel aus. Des Öfteren nahmen sie die Geschwindigkeit aus ihrem Run, machten bewusst kleine Pausen um auf den Takt der Musik zu warten und um den Tricks die gebührende Geltung zukommen zu lassen. Ein perfekt eingespieltes Team in Form, Technik und Ausdruck. Mit lediglich zwei Drops beendeten sie ihren spektakulären Lauf, wobei ein Drop elegant von Flo mit einem Radschlag überspielt und so die Scheibe gleichzeitig wieder aufgenommen wurde. Auch das Twirlen der Scheibe gefiel Flo sichtlich und mehrere Elemente der Kür wurden damit begonnen oder endeten damit. Hand in Hand beendeten sie auch wieder ihren Run. Ok, genauer genommen beendete ein Klaps von Judith auf Flo`s Po die Routine und mit einem Lächeln auf den Lippen verließen sie wieder den Jamcourt.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10Photo by Philipp Maubach
Knappes rotes Höschen, schwarzes Top – in Punkto Sexiness hatten Bianca Strunz und Anton Capellmann schon gewonnen. Beide zeigten eine sehr dynamische Kostprobe ihres Könnens. Bibis erste spektakuläre Aktion war ein Bodyroll, den sie fast im Spagat catchte. Das ließ sich Anton nicht lumpen und catchte einen schönen Gitis den er artistisch abrollte. Auch bei den Beiden war der Anfang der Routine perfekt. Aber was war das? Eine Schrecksekunde ruckte durch die Zuschauer. Anton rief: “Kleber, Kleber!“ Einer seiner Nails hatte sich im Run gelöst. Was für ein Pech. Das passiert so selten und dann auch noch im Finale. Anton reagierte jedoch cool und geistesgegenwärtig, steckte den Nagel in den Mund, damit er ihn nicht verliert, warf Bibi ein Hochspeed Clock Wurf an, rannte schnell zu den Judges und klebte den Nagel wieder auf. Jetzt wusste jeder warum die Nägel mit Sekundenkleber befestigt werden. Anton setzte Bibi mehrmals in Szene, sei es mit einem Set für einen Spoting the eagle oder mit dem „Titanic Heber“ bei dem Bibi auf Antons Schulter sitzt, Anton sich Counter dreht und Bibi die Scheibe Clock centert. Zum Schluss der Routine schlich sich ein bisschen Nervosität ein und sie beendeten ihre Routine mit 5 Drops. Anton versuchte noch einen Finishcatch in Form eines 3 spinning Scarecrow catch den er leider nicht fing. Trotz alldem ein sehr schöner Run der verdient mit dem zweiten Platz belohnt wurde.Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, BerlinPhoto by Philipp Maubach
Silvia und Fabio Caruso starteten mit vollem Einsatz in ihre Routine. Bei Silvia muss die Sonne noch mehr scheinen und aufpassen, dass sie nicht in ihren Schatten rutscht. Erster Trick war von ihr ein Clock against Shout, was für eine Counter Spielerin ein toller Einstieg war. Silvia ist sowieso eine technisch sehr auf hohem Level spielende Jammerin, was sie hier in Berlin wieder einmal bewies, sei es mit upside down Tip Combos, Spinning under the Leg Catches oder einem Gitis Catch den sie in letzter Sekunde vor dem Drop rettete. Aber auch Fabio bewies, dass er seiner Schwester in nichts nachsteht. Einer seiner ersten Catches war ein wunderschöner Flamingitis aber auch seine Bodyrolls oder seine Fähigkeit die Scheibe zu kontrollieren machen ihn einzigartig. Es war ebenfalls ein sehr dynamischer Auftritt der beiden, in dem die Spinnrichtung der Scheibe oder der Winkel keine Rolle spielt. Clock oder Counter, mit Winkel oder ohne, sie haben immer eine Antwort parat und strahlen beide mit der Sonne um die Wette. Auch Sie beendeten ihren Run mit lediglich 4 Drops was ebenfalls ein großartiges Ergebnis ist und sie auf das Podium der Sieger hob.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Philipp Maubach

Silvia und Fabio haben sich den dritten Platz erkämpft und den kann ihnen auch keiner nehmen. Da die Deutsche Meisterschaft ein Open Tournament ist, sind sie dritter des Turniers, jedoch nicht dritter der Deutschen Meisterschaft. Da beide aus Italien stammen können und dürfen sie leider nicht den Titel der Deutschen Meisterschaft gewinnen. Dies gilt auch für die zweit- und drittplazierten Teams. So rückte der vierte Platz aufs Podium auf.

Ilka Simon und Waldemar Wagner rückten verdient auf das Treppchen der Sieger nach. Ins Auge stach sofort, wie sollte es anders sein, Ilka mit ihrem Deutschlandtrikot, welches sie für die Deutsche Meisterschaft aber bestimmt auch für das bevorstehende Fußballspiel übergezogen hatte. Ein Engel in Weiß mit roter Hose. Waldi war lässig wie immer gekleidet, Siegersonnenbrille aus Graal-Müritz, dazu das passende Siegershirt vom gleichen Turnier und eine schwarze kurze Hose. Auf geht`s. Beginnend erfolgte der obligatorische Scarecrow Clap zur Begrüßung. Coop technisch sind beide ebenfalls auf einem sehr hohen Level und dies bewiesen und zeigten sie mehrmals. Ein Bodyroll zusammen oder ein wunderschöner Scarecrow Brush von Ilka, der mit einem under the leg Catch von Waldi abgeschlossen wurde, die beiden Kölner zeigen wer die Hosen am Rhein an hat. Auch in dieser Routine war die Frauenpower zu spüren und Ilka präsentierte einen sauber gesprungenen Bad Attitude Catch und wenig später den gleichnamigen Center Delay. Waldi zeigte unter anderem mit einem schönen Gitis Catch das auch er sein Handwerk versteht. Aber das Zusammenspiel beider stand mehr im Vordergrund als Indis zu zeigen. Wunderschön war auch der Double leg over von Waldi der mit einem  Gitis Catch von Ilka abgeschlossen und mit dem tobenden Applaus der Zuschauer belohnt wurde. Auch hier waren nur 5 Drops zu sehen, kein Unterschied zu den oben platzierten Teams. Ebenfalls wunderschön war das Finish der beiden in Form eines Scarecrow Catch den Beide fingen. Scarecrow zur Begrüßung und zum Abschied. Der rote Faden dieser Routine war einzigartig. Herzlichen Glückwunsch ihr Beiden, verdient geht der dritte Platz der Deutschen Meisterschaft nach Kölle.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Philipp Maubach
Dieses Finale werden alle nicht so schnell vergessen.  Anmutende Akrobatik, gepaart mit Eleganz, technischem Know How und weiblichem Charme. Die Männer standen im Schatten der Frauen. Und das war auch gut so. Stolz auf dieses erste Mixed Pairs Finale und mit Stolz erfüllt über so viel Frauenpower im deutschen Freestyle Sport sollte nun noch das Finale der Finale ausgetragen werden, Open Pairs. Jedoch waren unsere Frauen zu heiß für diesen Tag und der glühende Funke ihres Spiels sprang nicht nur auf Spieler und Zuschauer über.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Philipp Maubach
Im wahrsten Sinne des Wortes sprang der Funke über. Kurz neben dem Spielfeld begann es an zu glühen und zu lodern und nach einem kurzen Augenblicks des Schreckens fing hinter einem Mauervorsprung die Wiese an zu brennen. Zuerst war nur eine kleine Rauchwolke zu sehen aber in kürzester Zeit war es eine Rauchschwade die über den Sportplatz zog. Alle Spieler liefen sofort mit ihren Wasserflaschen zum Unglücksort, merkten jedoch schnell, dass mit den Wasserflaschen da nicht viel auszurichten war. Einer brachte sogar den Eimer in dem die Zigarettenkippen gesammelt wurden, was für einige Schmunzler in der Gemeinschaft sorgte. „Stell den mal schnell wieder weg, ansonsten denkt die Feuerwehr noch, dass du damit den Brand ausgelöst hast“ hieß es. Das Turnier wurde kurz unterbrochen und man war ein wenig rat- und tatlos, da man an das lodernde Glimmen nicht herankam. Dieses erlosch jedoch nach einiger Zeit, die Feuerwehr tat den Rest. Anschließend kühlte sie noch die heiß gelaufenen Gemüter ab und es konnte weitergehen. Unsere Frauen sind halt doch heißer als alles andere – das wurde hier in Berlin bewiesen! Nun war es endlich soweit, das letzte Finale konnte beginnen. Ein letztes Mal die Konzentration wahren, ein letztes Mal das Stirnband zurecht rücken, ein letztes Mal die Schnürsenkel festziehen und ein letztes Mal die Zuschauer und Judges beeindrucken und verzaubern. Wer wird Deutscher Meister im Open Pairs? Wer rockt Berlin?

Open Pairs Finale

Das Finale begann mit einer Schrecksekunde. Die Favoriten und Titelanwärter aus Karlsruhe mussten ihren Run absagten. Alle schauten geschockt  zu Florian Hess und Christian Lamred. Was war passiert? Flo hatte sich im Mixed Pairs Finale eine Oberschenkel Verletzung zugezogen und konnte nicht mehr spielen. Die nächste Turnierüberraschung war perfekt. Nachdem der amtierende Deutsche Meister im Halbfinale ausgeschieden war, schied nun der Favorit unglücklich aus, sehr schade für die Beiden. Nun war das Finale noch spannender. Das bedeutete, dass im dritten Jahr hintereinander ein neuer Deutscher Meister gekürt werden wird. Was für eine Dramatik, was für eine elektrisierende Spannung lag nun in der Luft. Einige der Zuschauer schauten verunsichert wieder zu dem noch dampfenden Haufen Asche herüber und dachten, dass er sich jeden Moment wieder entzünden würde. Das Finale konnte beginnen.

Sascha Scherzinger und Carsten Heim sind verdient die neuen Deutschen Meister, für Beide das erste Mal. Und was für ein Finalrun. Der ausgeschiedene Deutsche Meister hatte da wohl eine Vorahnung und überließ den beiden ihren Finalsong „Bakerman“ von Laid Back und diesem Song drückten Sascha und Carsten ihren ganz eigenen Charme auf. Nach dem Songmotto „Slow down, relax, take it easy“ lieferten die Beiden eine Show ab bei dem es niemanden mehr auf den Hocker hielt. Wirklich relaxt sah das aus. Beide hatten so viel Spaß bei ihrer Routine, die eher nach einem lockeren Jam aussah. Von Nervosität keine Spur. Lediglich 5 Drops und mit der Einstellung „take it easy“, immer gut gelaunt und lächelnd, lieferten sie einen wunderschönen vierminütigen Run ab. Sascha bewies wieder einmal seine Leichtigkeit beim Spielen, sei es durch einen Phlaud – oder Spinning Gitis Catch, einem Upside down under the leg Pass oder einem locker aussehenden Scarecrow Catch. Ihm ist es egal wie die Scheibe kommt, mit Winkel oder ohne, er strahlt Leichtigkeit und Sicherheit aus. Ein nicht nur sympathisch wirkender Spieler, er ist es. Aufgrund dessen passte Carsten Stiel perfekt zu ihm und die beiden gaben ein tolles Team ab. Carsten catchte einen Flamingitosis und das im Finale, Nerven wie Stahlseile und lächelnd wie die Mona Lisa, einfach nur beeindruckend. Auch das blinde Passspiel, welches Beide nicht nur einmal unter Beweis stellten, beeindruckte sehr. Carsten ist ein flinker, wendiger und ebenfalls sehr sicher spielender Jammer der genau weiß, wie man seinen Partner in rechte Licht rückt. Eine ansprechende Symbiose aus Schnelligkeit, Coolness und Technik. Auch ihr Finishcatch ließ sich ebenfalls sehen. Sascha machte leicht gebückt einen Backroll der nahtlos in einen geknieten Bodyroll von Carsten überging der anschließend die Scheibe catchte. Beide lagen nun auf dem Boden und waren überglücklich über ihren perfekten Run. Als sie das Spielfeld verließen waren Saschas Schlussworte: „So macht das Spaß!“ und mit einem breiten Lächeln verabschiedeten sich beide Spieler von den begeisterten Zuschauern.
Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Philipp Maubach

Jörg Wunder und Jens Friebe erkämpften sich den zweiten Platz und für Beide ist es ebenfalls das erste Mal, dass sie so weit oben auf dem Siegertreppchen stehen. Vom technischen Level her sind sie auf jeden Fall ebenbürtig wie die Gewinner, wenn nicht sogar ein bisschen besser. Woo zeigte einen eingesprungenen Flamingitis Catch und auch seine Back- und Frontrolls können sich sehen lassen. Dabei ist er so energiegeladen und seine Bewegungen sind dabei so schnell, dass die Zuschauer und Mitspieler nur verdutzt gucken und völlig verblüfft sind. Was für ein Ausnahmetalent von dem man in den nächsten Jahren auf jeden Fall noch mehr zu sehen bzw. zu hören bekommt. Bei Touth Brush, bei dem die Scheibe auf die Zähne gelegt wird und sich weiterdreht, zeigt Woo sein technisches Feingefühl und nach seinem Scarecrow Brush hat die Scheibe so viel Spinn, als ob jemand die Scheibe gerade erst angeworfen hat, einzigartiger Stiel von diesem Mann. Aber auch Jens war auf den Punkt des Finales wieder voll konzentriert und zeigte wiedermal einen wunderschönen Flamingo Catch oder einen sehr ästhetisch ausgeführten und spektakulären Gitis Catch. Sehr sicher und durch beide Arme durchgerollt lassen sich auch immer wieder seine Bodyrolls beschreiben. Zusammen sah man bei Beiden mehrere Upside down Combos die mit Winkel gespielt und schlussendlich sauber gecatcht wurden. Mit 7 Drops liegen sie im guten Mittelfeld und  auch beim Artistic/ Impression Part kommen sie nicht an die Deutschen Meister heran, jedoch darf man nicht vergessen, dass Beide zum ersten Mal in dieser Konstellation gespielt haben und dann gleich Vize-Deutscher Meister wurden. Respekt und herzlichen Glückwunsch.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin 25.06.-27.06.10 Photo by Philipp Maubach

Kolja Hannemann und Markus Hein machten neben Woo den Berlinern alle Ehre. Egal ob Catch, Pass oder Indie – die Jungs sehen immer gut aus und treten sicher auf. Diesmal hatten sie ein wenig Pech und verabschiedeten sich mit 10 Drops aus diesem spannenden Finale und belegten verdient vor Sascha Höhne und Jan Sörensen den heiß umkämpften dritten Treppchenplatz der Sieger. Ganz in Feuerrot gekleidet machten sie Druck von der ersten Minute ihres Runs an. Makki bestach wiedermal durch sein faszinierendes Flat Set Spiel, wofür ihn mehrere Spieler so beneiden. Dazu ist Makki ein Player, Mr. MakkiStyle, der genau weiß wie man bestimmte Tricks in einem Rahmen verpackt und perfekt vor den Zuschauern präsentiert. Dazu gesellt sich Kolja der ein Berliner Feuerwerk entbrannte, so dass die vorher gerufene Feuerwehr schon wieder fast auf dem Weg war. Er catchte unter anderem einen sehr spektakulären gesprungenen Flamingitis oder war es doch „nur“ ein Gitis? Den Zuschauern war es egal und sie feierten ihre Lokalhelden. Spinnings und perfekt aufeinander abgepasste Pässe zeichnen diese beiden Spieler aus, die schon seit mehreren Jahren zusammen spielen. Hoffentlich spielen sie nächstes Jahr wieder zusammen und hoffentlich kann man sie dann wieder auf dem Treppchen bejubeln.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Anton Capellmann

Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch, dass die Teams auf dem vierten bis zum sechsten Platz, Sascha Höhne/ Jan SörensenPhilipp Lenarz/ Mehrdad HosseinianJudith Haas/ Heiko Vogt, lediglich 0,3 Punkte voneinander getrennt sind. Ein ganz enge Angelegenheit, ein ganz enges Verfolgerfeld, die in den nächsten Jahren sicherlich noch von sich hören lassen.

Deutsche Meisterschaft Freestyledisc 2010, Berlin Photo by Philipp Maubach
Das soll es nun gewesen sein? Alle schauten sich ein wenig ungläubig in die Augen aber es war die bittere Wahrheit. Die Deutsche Meisterschaft war offiziell und turniertechnisch zu Ende, alle drei Finale wurden gespielt. Man sah bei dem/ der Einen oder Anderen eine Träne rollen, was natürlich niemand zugeben würde und Argumente wie die Sonne hat mich geblendet oder mir ist was ins Auge geflogen plausibler erscheinen ließen. Es war kurz vor 15:30 Uhr. Was ist mit der Siegerehrung? Was ist mit den Preisen? Die müssen warten! Deutschland spielt gegen England bei der Fußballweltmeisterschaft. Der Massensport greift dann doch mehr Sympathien und Zuschauer. Jedoch war zu Halbzeit schon klar, dass Deutschland hoch gewinnen wird und auf dem Jamcourt versammelten sich mehr und mehr Jammer. Ein ausgelassenes Treiben erfüllte den Rasenplatz und bis kurz vor die Siegerehrung waren die Scheibenfreunde und –liebhaber, Profis und Anfänger, Groß und Klein nicht mehr von dem bunten Scheibenvergnügen zu trennen. Ein wunderschönes Wochenende, drei wunderschöne und zelebrierte Tage neigten sich dem Ende. Krönender Abschluss war die Siegerehrung bei dem die Helden von Berlin gebührend gefeiert wurden.
pm_dm2010_gruppenbild_PMA6423_2_1 Photo by Philipp Maubach

Am Abend trafen sich die noch nicht abgereisten Spieler zu einem großen Essen in einem der Berliner Szenebezirke. Beim fülligem Abendmahl und reichlichen Getränken wurden die letzten Tage resümiert und viel Gelächter drang bis tief in die dunkle Nacht. Danke, dass ihr hier wart, danke für eure Begeisterung.

Wir, als Berlin-Jammers, sind sehr stolz, dass wir dieses Turnier ausrichten durften und hoffen, dass alle eine unvergessliche Zeit hier bei uns hatten. Wir sind stolz auf unsere Gewinner und die wachsende Community, die Fairness in und um unseren Sport herum, unserer brennenden Leidenschaft. Im Besonderen sind wir sehr stolz auf all unsere Frauen im Freestyle Sport, ohne die zum einen die erste deutsche Mixed Pairs Meisterschaft nicht möglich gewesen wäre und ohne die, die Balance und Ausgeglichenheit zwischen Graziösität, Liebe, Begeisterung, Charme und Eleganz niemals hervortreten würde. Des Weiteren möchten wir, als Berlin-Jammers, uns bei Anton Capellmann in seiner Rolle als Turnierdirektor bedanken und bei allen Helfern und Helfers-Helfern, ohne die dieses Turnier nicht möglich gewesen wäre.

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen und auf die nächste Deutsche Meisterschaft in …. München … Köln …. Nürnberg …. Heidelberg … Karlsruhe … Egal wo.
Hauptsache ihr seid alle wieder dabei.

Weitere Stimmen zur Deutschen Meisterschaft:

www.discrockers.de